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PotC: Jack/James, # 29 Fächer, Ein wahrer Commodore

Titel: Ein wahrer Commodore
Autor: nebel_kraehe
Claim: Jack Sparrow/James Norrington
Fandom: Pirates of the Caribbean
Rating: PG
Prompt: #29 Fächer
Disclaimer: Die verwendeten Charaktere gehören Disney und ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte.
A/N: Nach dem ersten Movie angesiedelt (es ist nicht wirklich AU, aber die Fortsetzungen wurden von mir für diese Story ignoriert)



“Ihr hättet bestimmt mehr Kunden, wenn euer Freudenhaus nicht so elendig stickig wäre.” seufzte Jack, als er sich auf den bereits sehr mitgenommen aussehenden Diwan fallen lies. Rechts und links von ihm ließen sich zwei Frauen nieder. Beide hatten schwarzes Haar, grell rot bemalte Lippen und trugen seidene, jedoch verschlissene Bademäntel.
„Ah danke, Herzchen.“ Jack zog der Rechten den Fächer aus der Hand, mit der sich Luft zugewedelt hatte. Während er seinen linken Arm um die andere Hure legte, betrachtete er den Fächer genauer. Wie alles hier, hatte auch dieser schon bessere Tage gesehen, doch Jack konnte erkennen, dass ein englisches Kriegsschiff auf ihm abgebildet war, das an einem hellen Sommertag in die azurblaue See stach. Europäischer Kitsch. Und doch rief dieses Bild Erinnerungen in ihm wach, die er eigentlich gerade hier hatte vergessen wollen.
„Ladies“, begann er theatralisch, fuhr mit seinen Fingerspitzen über das Schlüsselbein der linken Hure und legte die Füße auf den niedrigen Holztisch vor dem Diwan, „ich möchte euch eine Geschichte erzählen, eine wahre Geschichte. Über einen Mann.“ Jack lehnte seinen Kopf zurück und betrachtete die Lampe, die von der Decke baumelte.
„Und was für ein Mann er war! Ein Seemann, ein Soldat und ein Edelmann. Ich bin sicher, er hätte euch auch gefallen. Allerdings kann man das andersrum wohl nicht behaupten.“ Jack lachte und begann sich Luft zuzufächern, während die rechte Hure begann an dem Schmuck in seinem Haar zu spielen.
„Nein, sein Geschmack was Frauen betraf war um einiges anspruchsvoller. Er bevorzugte die wohlerzogenen Jungfrauen aus gutem Hause, deren Schönheit so zerbrechlich schien, dass sie jeden Moment vom Wind hinfort geweht werden könnte.“ Jack machte eine wedelnde Handbewegung, hielt dann jedoch inne und fixierte mit skeptischer Miene die leere Rumflasche vor sich auf dem Tisch und dann wanderte sein Blick weiter zu der Shisha, deren Rauch immer noch im Raum hing.
„Nein, vergesst das wieder. Das mit dem Wind war erschreckend großer Unsinn… Stellt sie euch einfach wie die Figur aus einem von Shakespeares Sonetten vor. Obwohl euch das wohl nicht viel sagen wird. Jedenfalls war sie eine anständige, schöne junge Frau, die eine Menge Geld erben würde. Also, wer konnte es ihm verübeln? Doch sie machte sich lieber mit einem einfältigen Waffenschmied davon. Aber genug von Püppchen und Welpen.
Er war ein Mann, galant wie in den Träumen keuscher Bürgertöchter. Ehrenhaft, nobel. Und bereit sich ohne zu zögern für andere ans Messer zu liefern. Nun ja, wir alle haben Fehler. Aber dennoch, seine Selbstlosigkeit hatte auf eine verdrehte Art etwas für sich. Aber wenn es um Piraten ging, kannte er kein Nachsehen. Nein, er war eisern in der Verfolgung seiner Ziele, unterkühlt, wenn er seinen Männern Befehle gab. Ja, auch mich wollte er hängen lassen.“ ein verträumtes Lächeln stahl sich in Jacks Züge. „Und es wäre ihm sogar beinahe gelungen. Doch schließlich hat er mich entkommen lassen. Ihr seht, Rücksicht ist nicht immer etwas Schlechtes, alles eine Frage des Standpunktes.“ Jack lies seinen Kopf ein paar Mal abwechselnd nach links und rechts fallen, wobei der Schmuck in seinen Haaren klimperte.
„Ihr hättet ihn sehen sollen, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind. Mit all seinen Abzeichen, Medaillen, dem Brokat seines Uniformrocks, den seidenen Culotten und Strümpfen, den hohen Schuhe mit den silbernen Schnallen und der weiß gepuderten Staatsperücke. Ich schwöre, ihr hättet gelacht. Soviel Tand an einem Mann. Dafür würde er noch einen Orden verdienen - wenn das Ding auf seinem Rock überhaupt Platz hätte.“ Jack kniff die schwarz umrandeten Augen zusammen, als versuchte er etwas in weiter Ferne zu erkennen.
„Aber auch dieser ganze lächerlicher Prunk hatte an ihm seinen Reiz. Es unterstrich seine gerechte Ehrbarkeit… seine ehrbare Gerechtigkeit, seine gerechtigkeitsliebende Ehre … das trifft es alles nicht so ganz.“ er kratzte sich mit der Spitze seines Fächers am Kinn, „Aber ihr könnt es euch sicher vorstellen.
Und in seinem Gesicht gab es soviel zu lesen, soviel hinter diesen grünen Augen. Soviel mehr als auf der vermaledeiten Uniform. Ja, ihr hättet seine Augen auch gemocht. Sie waren grün wie… ich weiß auch nicht… so ein bisschen wie... Ich schwöre, sie zeigten eine Verletzlichkeit, die den Betrachter schmerzte. Nicht wie die des Welpen, die matronenhafte Frauen dazu bewegt ihn an ihre üppige Brust zu drücken, nein. Sie hatten etwas Tieferes. Etwas, das nicht viele sehen konnten, und das noch weniger Leute sehen wollten. Da lag eine Welt hinter seinen Augen, in die er niemandem Zutritt gewährte.“ Jack entfloh ein wehmütiger Seufzer.
„Und seine Stimme. Schneidend und schmeichelnd. Streng und liebkosend. Euch hätte seine Stimme auch gefallen. Ja…
Was soll ich euch noch über ihn erzählen? Er war ein Gentleman, der nicht nur reden konnte. Er war ein Mann wie ihn die Renaissance geliebt hätte.
Er war ein wahrer Commodore!“ Jack blickte zu den beiden Huren, die ihn aufmerksam betrachteten.
„Klar soweit?“ hakte er nach, doch er bekam keinerlei Reaktion. Sie starrten ihn nur weiterhin an. Jack merkte wie ihm die Lust auf eine Liebesnacht mit den beiden Frauen vergangen war – etwas, das ihn selbst schockierte und doch nicht erstaunte.
„Ihr Hübschen, ich weiß, ihr versteht kein Wort, von dem was ich sage, und doch habt ihr mir geholfen. Ich weiß nun, was ich zu tun habe. Ich werde noch heute aufbrechen, zurück in die karibischen Gewässer und warten bis er die Jagd nach mir wieder aufnimmt.“ Jack grinste selig und drückte erst der linken und dann der rechten Hure einen flüchtigen Kuss auf die grell geschminkten Lippen. Dann erhob er sich schwungvoll von dem Diwan, was dazu führte, dass er beinahe das Gleichgewicht verlor. Mit rudernden Armbewegungen stand er schließlich jedoch wieder aufrecht. Er griff in seine Hosentasche und zog zwei Goldstücke heraus, die er den beiden Huren zu warf. Dann verließ er mit einer tiefen Verbeugung das stickige Freudenhaus.

Den Fächer behielt er.

Tags: nebel_kraehe-potc-jack/james
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